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Vom 27. – 29. 8.2004 fand in Poznan (Polen) ein „Internationales Zitherspielertreffen“ statt. Weil Michal Müller und ich dazu eine Einladung erhielten, möchte ich dazu gerne einen kleinen Bericht geben.
Es war dies eigentlich das erste neuzeitliche Treffen der polnischen Zitherspieler und somit eine revolutionäre Begebenheit. Dabei kamen mir die Erinnerungen an unsere ersten Treffen und besonders an unsere allererste Zusammenkunft der böhmischen Zitherspieler in P øíbram des Jahres 1985.
Im Zusammenhang mit der Wiedergeburt der Zitherspieler auch in den anderen Ländern des ehemaligen „Ostblockes“ scheint es, als ob 70 bis 85 Jahre nach dem Zerfall Österreich – Ungarns erst jetzt erneut das Interesse an diesem Instrument geweckt würde. Zuerst scheint es besonders auf der Basis der Nostalgie, wo jedoch zugleich beachtungswerte Elemente der Progressivität durchblitzen. Diese Entwicklung ist nicht nur in Böhmen und Slowenien, aber auch in Ungarn und Russland zu bemerken.
Die Nostalgie stellten die älteren Zitherspieler dar, die ausnahmslos Werke vom Ende des 19. und anfangs des 20. Jahrhunderts interpretierten. Auf dem „Spotkaniu“ hörten wir dies in der durchfühlten Ausführung von Bronislav Leszczinski, Wanda Jasinska und Zbygniew Kadluczka.
Die progressive Auffassung führte Grzegorz Tomaszewski vor, der zwar auf einer Akkordeonzither (mit eigener Besaitung) jedoch sehr musikalisch und auf ganz persönliche Art spielt (die er außerdem bereits auf dem internationalen Treffen im Jahre 1998 in Rožnov p. R. und i.J. 2000 in Wien vorführte). Tomaszewski war auch der Initiator dieses Treffens. Hilfreich stand ihm Bogumila Skrzypek zur Seite, die im Rahmen ihrer musikwissenschaftlichen Arbeit die oben genannten „letzten Mohikaner“ (und noch weitere) heraussuchte und selber Schülerin von B. Leszczinski ist. Die organisatorische Absicherung übernahm mit gutem Erfolg das „Museum der Musikinstrumente“ in Poznan, namentlich dann der Direktor Janusz Jankulski.
Das ganze Programm des Kongresses verlief in freundschaftlichem und unformellem Geist. Gespielt wurde im Kammersaal, wie auch am Ringplatz vor dem Museum. Michal Müller repräsentierte die moderne Auffassung und Nutzung der Zither und wurde sehr gut vom Publikum aufgenommen. Zum Treffen erschien eine Broschüre über die Teilnehmer und eine Sammelschrift der Zitherkompositionen, die auch polnische Zitherkomponisten vorstellt.
Das allerwichtigste an dem Treffen war, dass es überhaupt stattfand, denn die Zusammenkunft von ungefähr zehn polnischen Zitherspielern gibt eine gute Grundlage zur Weiterführung in den kommenden Jahren. Dazu kann den polnischen Zitherspielern nur viel Erfolg und Ausdauer gewünscht werden.
In Ostrava (Mährisch Ostrau), dem 2.9. 2004
Jan Folprecht