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Im Gedenken an Jiøí (Georg) Moravec (1927 – 2004)

 

       Kurz vor Weihnachten erreichte die Zitherspieler Böhmens eine traurige Nachricht – in Prag starb 21.12.2004 Herr J iøí ( Georg) Moravec. Ich denke, dass er wie bei uns so auch im Ausland eine so bekannte Persönlichkeit war, besonders in Deutschland und Österreich, dass es angebracht ist, diesen Nekrolog zu veröffentlichen.

       Für die Zitherspieler aus Prag und Böhmen war Georg Moravec bereits zu Lebzeiten fast eine Legende – eine einmalige Persönlichkeit, die die Tradition des böhmischen Zitherspieles verkörperte. Waren doch schon seine Eltern, Josef Moravec und auch die Mutter Vilma Moravcová bekannte Zitherspielpersönlichkeiten, die aktiv in Prager Zitherklubs wirkten. Nur er selbst konnte aus den Erinnerungen seiner Eltern und Großeltern die Atmosphäre der Zeit Ende des 19. Jahrhunderts vermitteln, als in Prag die böhmischen Zithervereine aufblühten und eine eigene Zeitschrift „Der böhmische Zitherspieler“ herausgaben. Es war und ist kein anderer unter uns, der bis zu seinem Lebensende so für die Zither lebte, ja atmete, wie er.

       Die Familie Moravec ist so viel mit der Geschichte der Prager Zitherspieler verbunden, dass es dafür steht, einige ihrer Mitglieder näher zu beschreiben. Die Zither brachte aus seiner Wiener Wanderschaft nach Prag der Großvater Georgs, Herr Josef Moravec, mit. Es war ein kleines Instrument der Gebrüder Kirchner. Sein Sohn, ebenfalls ein Josef Moravec (1889 – 1955), lernte auf der Zither des Vaters und mit zwanzig Jahren trat er dem Zitherklub in Karlín bei und wurde bald Mitglied des Vorstandes. Auch war er lebenslänglich der Archivar des Klubs. Hier lernte er seine künftige Frau Vilma, geborene Svobodová (1906 –1988) kennen. Auch sie spielte von klein auf bereits Zither, unterrichtete später das Zitherspiel und widmete sich zu Ende der Zwischenkriegszeit der Klubführung.

       In so einem Umfeld wuchs Georg auf und seine Spielanfänge waren ebenfalls auf dem Wiener Instrument des Großvaters. Er wurde in Prag 16.10.1927 geboren. Mit dem Zitherspiel begann er mit sieben Jahren bei seinem Vater. Der nahm ihn des öfteren zu bedeutenden Prager Persönlichkeiten mit, wie z.B. Václav Buchelt oder Josef Vondrá èek. Das hat den jungen Zitherspieler stark geprägt.

       Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel das Interesse an der Zither. In Prag blieb lediglich der Zitherklub in Smíchov und Georg Moravec konnte nicht fehlen. Bedeutend war für ihn das Treffen mit dem deutschen Virtuosen Ernst Rommel, der um das Jahr 1963 einige Monate in Prag war und bei Moravec wohnte. Dieser vermittelte den Prager Zitherspielern und vor allem Georg, den Kontakt zur Außenwelt der Zither und der Systematik des Unterrichtes in Normaler Stimmung.

       Nach dem Zerfall des Zitherklubs von Smíchov versuchte Georg Moravec als „Letzter Mohikaner“ die Prager Zitherspieler zu organisieren. Er leitete Interessenzirkel im Betriebsklub der Firma ÈKD. Hierher übersiedelte er auch seine Zitherarchivalien, die vom Zitherklub in Smíchov und Karlín übrig blieben. In den 50 und 70Jahren war er der Einzige, der in Prag das Bewusstsein über dieses Instrument erhielt.

       Sein ganzes Leben lang überlegte er über Möglichkeiten der Zither. Er experimentierte mit elektronischer Aufnahme und Verstärkung des Tones in Zeiten, in denen es längst noch keine Selbstverständlichkeit war. Manche Abende spielte er in Restaurationssälen und ohne Verstärkung wäre dies nicht möglich gewesen. Außerdem baute und erdachte er neue und neue Zithertische und Zitherstative. Vor allem widmete er sich jedoch dem Arrangement der Notenpartitur der verschiedensten Kompositionen für mehr Zithern. Immer hatte er auch mehrere Schüler, denen er seine reichen Erfahrungen übergab. Seinen Nachlass, das sind Schriftstücke und Notenliteratur widmete er dem Zithermuseum in Ostrava (Märisch Ostrau). Dem wird es noch lange dauern, bevor alles eingereiht und verarbeitet sein wird.

   Bis zu seinem Lebensende war Georg Moravec unglaublich aktiv. Er leitete den Zitherklub in Prag, unterrichtete das Zitherspiel, schrieb Notenpartituren und auch für das kommende Jahr hatte er jede Menge Pläne und Einfälle. Sein persönliches Profil charakterisierte ihn durch unglaubliche Aufopferung und Bescheidenheit. Es ist wohl unter den Zitherspielern, weder daheim noch im Ausland jemand, der sich an Georg Moravec nicht mit Liebe und Achtung erinnern würde. Ehre seinem Andenken.

 

In Ostrava (Mährisch Ostrau), dem 26.12. 2004

Jan Folprecht